Bootskriminalität

Man kennt das, es ist Sonntagabend und nach ein paar schönen Stunden auf dem Wasser wird das Boot an seinem Platz im Hafen festgemacht, die Welt ist in Ordnung und man fährt nach Hause. Doch jedes Jahr erleben allein in Deutschland einige hundert Bootseigner, wenn sie sich wieder auf einen schönen Tag auf ihrem Boot gefreut haben, eine böse Überraschung. Das Boot hat keinen Außenborder mehr oder das Boot ist sogar komplett verschwunden.

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Das kommt leider nicht so selten vor wie manche Segler glauben, zumindest haben die meisten schon mal von derartigen Diebstählen gehört. So wurden in Deutschland in 2014 in Deutschland 1354 Außenbordmotoren und 280 Boote gestohlen. Dazu kommen noch eine Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen und erhebliche Schäden die bei diesen Aktivitäten an den Booten verursacht wurden.

Als Täter werden organisierte Gruppen vermutet. Schon mehrfach konnte die deutsche Polizei ganze Wagenladungen sicherstellen. Bei dem Verbleib des Diebesgutes wurde man in Osteuropa (Polen, Litauen) fündig, aber auch die Niederlanden und Mittelmeerländer stellten sich als Abnehmerländer heraus. Aber mit europaweit ca. 10.000 gestohlenen Booten zeigt sich, dass es sich um ein europaweites Problem handelt.

Es zeigte sich auch, dass die Diebe sich nicht auf bestimmte Reviere, z.B. Ballungszentren konzentrieren. Auch abgelegene ländliche Gebiete, wo jeder Fremde auffällt, sind vor ihnen nicht sicher. Die Fallzahlen dort steigen sogar. Auch in den nicht sonderlich dicht besiedelten skandinavischen Ländern die nehmen die Diebstähle zu . „Europameister“ ist Schweden mit 2252 Booten in 2014.

Es ist der Polizei und Zoll mehrfach gelungen Diebesgut, z.T. ganze Kleintranporteladungen, sicherzustellen. Doch dann gibt es meist das Problem das Diebesgut den rechtmäßigen Eigentümern zuzuordnen.

So wurde in 2001 das bei der Wasserschutzpolizei Konstanz angesiedelte „Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität“ (KBK) gegründet. Zusammen mit dem Versicherer Pantaenius wurde ein Präventionskonzept erarbeitet.

Das Konzept sieht vor, Außenbordmotoren, Bootszubehör, nautische Gegenstände und Boote mittels einer Gravur mit einer Individualnummer zu versehen. Diese Nummer wird mit anderen fahndungsrelevanten Daten in einem Bootspass eingetragen. Parallel dazu werden leuchtendgelbe, witterungsfeste Aufkleber auf den jeweiligen Gegenständen angebracht, welche ihn als „registriert“ kennzeichnen.

Diese Maßnahme hat sich, wie ein Beispiel aus Norddeutschland zeigt, auch bereits in Verbrecherkreisen herumgesprochen. Dort wurden 3 Boote aufgebrochen. Fünf Nebenlieger mit dem Aufkleber „Vorsicht, registriert“ wurden nicht angerührt.

Im Kompetenz-Zentrum laufen alle Fäden zusammen. So ist die Hauptzielrichtung der Fahnder vom Bodensee das Abfangen des Diebesgutes noch auf dem Transportweg. In einem Netzwerk von mobilen Fahndungsgruppen der Länderpolizeien, der Bundespolizei und dem Zoll arbeiten Wasserschutzpolizisten des KBK nahezu ausschließlich „an Land“. Denn Deutschland ist im Bereich der Bootskriminalität sowohl Tatort, als auch Transitland.

Seit mehr als 12 Jahren hat das Land Schleswig-Holstein an der Gravuraktion teilgenommen. In 2005 erhielt das Projekt unter dem Titel „Gravierend mehr Sicherheit“ dafür  vom damaligen Innenminister des Landes Schleswig-Holstein den Präventionspreis. Nun ist das erfolgreiche Projekt den vom gleichen Ministerium für die WSP verfügten Stellenstreichungen zum Opfer gefallen.

Sie werden nun vielleicht gedacht haben, so schlimm kann das mit dem Boots/-motorenklau doch nicht sein, bis Sie oben die Summen der Entwendungsfälle lasen. Hier nun die Aufteilung nach Bundesändern.

Diebstähle nach Bundesländern in 2014:  ( Boote / Motoren )

  • Brandenburg 59 / 357
  • Niedersachsen 36 / 82
  • Berlin 31 / 193
  • Mecklenburg-Vorpommern 30 / 140
  • Nordrhein-Westfalen 25 / 108
  • Baden-Württemberg 20 / 103
  • Schleswig-Holstein 14 / 95
  • Rheinland-Pfalz 13 / 37
  • Hamburg 12 / 31
  • Bayern 11 / 68
  • Hessen 10 / 41
  • Sachsen 9 / 12
  • Thüringen 3 / 6
  • Bremen 1 / 49
  • Saarland 0 / 2

–      Deutschland ges. 280 / 1354 (Vj. 257 / 1257)

Die Wasserschutzpolizei hat einen Anstieg der Straftaten im Bereich der Freizeitschifffahrt festgestellt . Wenn ihnen dann bei Kontrollen Boote, Bootsmotoren, Bootszubehör ins Netz gegangen sind, ist es oft sehr schwierig die rechtmäßigen Eigentümer festzustellen. Bei Autos ist das einfacher, denn jedes Kfz. hat ein Kennzeichen das es nur einmal gibt. Bei Booten ist das anders, da gibt es eine Vielzahl von Verbänden, Wasser- und Schifffahrtsämtern etc. bei denen man sein Boot anmelden, bzw. registrieren kann.

Wenn Sie nun glauben, es wäre unwahrscheinlich, dass Ihnen ein Diebstahl widerfahren könnte, denn Ihr Boot liegt an einem recht abgelegenen Ort, wohin sich niemand verläuft, dann sind Sie leider im Irrtum. Auch an solchen Orten gab es Verlustanzeigen bei der Polizei. Auch ein Hafenzaun mit verschlossenem Hafentor bietet nicht den erwarteten Schutz. Die Diebe machen sich meist nicht von der Landseite, sondern von der Wasserseite ans Werk.

Da solche Raubzüge von den Bandenmitgliedern gut vorbereitet sind, empfiehlt es sich die Augen offen zu halten, wenn Sie unbekannte Personen durch den Hafen spazieren sehen. Man kann ja mal fragen ob sie etwas Bestimmtes suchen. Vielleicht ist der Grund ganz harmlos und Sie können helfen.

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Sicherung von Aussenbordmotoren

Machen Sie es den Dieben nicht zu einfach. Erkundigen Sie sich bei Ihrer örtlichen Wasserschutzpolizei nach der in Zusammenarbeit mit der Pantenius Yachtversicherung durchgeführten Gravuraktion für Außenborder und Bootszubehör. Diese Aufkleber haben, wie sich mehrfach zeigte, präventive Wirkung, denn sie sind am Markt schwerer verkäuflich, da die Polizei den Diebstahl leicht nachweise kann.

Da mit der Gravuraktion auch gleichzeitig eine Datenerfassung erfolgt, kann die Polizei für sichergestelltes Diebesgut die rechtmäßigen Eigentümer feststellen und informieren. Auch wenn bei Ihnen gerade keine Gravuraktion läuft, sollten Sie sich von der Website „Kompetenzzentrum Bootskriminalität“  einen Bootspass herunterladen und Ihre Bootsdaten erfassen.

Prüfen Sie auch Ihre Versicherungspolice, ob Inhalt und Konditionen noch zur aktuellen Situation passen.

Mitglieder der Sunbeam Klassenvereinigung können das erwähnte Formular auch bei der KV anfordern.

Um Ihren Versicherungsschutz zu gewährleisten sollten Sie Ihren AB mit einem Kappenschloss aus hochfestem Edelstahl sichern. Um diese Schlösser zu knacken braucht der Dieb Zeit und hat er meist nicht. So gibt er in der Regel nach 20min. auf.

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Koordinierend für die Datenerfassung, Fahndung und Gravuraktion ist die Wasserschutzpolizei Konstanz tätig und rund um die Uhr erreichbar.